Die heutig Etappe von Burgas nach Istanbul beginnt mit einem wirklich guten Frühstück im Hotel. Die Wetterkarte prophezeit einerseits zum Glück und andererseits leider keinerlei Sonnenschein: einerseits, weil die Temperaturen dann schon mal leicht auf weit über 30 Grad ansteigen können und andererseits, weil die Landschaft so grau in grau nicht wirklich lieblich daherkommt.
Sicherlich ist es eben auch einfacher, sich bei zunehmender Kälte mehr schützende Kleidung anzuziehen, als bei steigenden Temperaturen Kleidung loszuwerden. Ein wenig Schutz braucht es schon beim Mopedfahren. Vor allem, wenn man sich in Richtung Türkei und in das dortige Verkehrsgewühl wagt. Doch dazu später mehr.

Nach einem Tankstopp am Ende von Burgas, wo wir den Sprit für sagenhafte 1,57 Euro bekommen, zieht sich die Straße bis hoch auf die Berge, die hier die Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei bilden. Als wir die Grenze erreichen, sind wir angesichts der etwa 15 Autos vor uns leider zu schnell erleichtert. Denn was sich die Türken hier erlauben, grenzt (!) an Schikane! Man muss an einem ersten Schalter mit allen persönlichen und den Fahrzeugpapieren vorstellig werden, wo dann auch noch ein schönes Bildchen aufgenommen wird.

Dann geht es weiter zu einem zweiten Schalter, wo wiederum der Personalausweis geprüft und zum zweiten Mal in irgendeine Datei eingegeben wird. Zusätzlich werden ebenfalls der Fahrzeugschein erneut abgetippt und die „grüne“ Versicherungskarte geprüft. Und das zieht sich! wir warten nahezu ein Stunde bis die wenigen Autos vor uns abgefertigt sind. Nun kann es ja gleich weitergehen! Haben wir gedacht!
An einem dritten Schalter beginnt die ganze Prozedur von Neuem. Offenbar hat die Dame am zweiten Posten irgendeinen Fehler produziert beim Abschreiben, denn sowohl ich selbst, als auch der NC90 müssen mit den ganzen Papieren noch einmal zurück zu dieser Dame. Den NC90 lassen sie dann beim dritten Schalter erst gar nicht durch. Wir warten weitere Zehn Minuten, bis … Ach egal, letztlich „sind wir drin“.
Leider wird die Landschaft nach dem Verlassen der Berge nicht wirklich interessant. Die Zeit rinnt uns ebenfalls zu schnell durch die Uhr. Also streichen wir das Café am Schwarzen Meer von der Liste der Wegpunkte und nehmen damit eine andere, als die geplante Strecke. Großer Fehler! Denn wir kommen jetzt etwa 60 Kilometer vor Istanbul ans Marmarameer, dessen Küste wir bis in die Gr0ßstadt folgen sollen.
Und dann beginnt das Unglück in Form eines unglaublichen Staus: 42 Kilometer weit stehen oder schleichen wir Meter um Meter voran. Und wer nun denkt: na ja, was ist daran gefährlich?, der hat noch keine türkischen Fahrzeuglenker erlebt. Nur ein Beispiel: Wir knattern gerade im ersten Gang mit Schrittgeschwindigkeit auf einer der drei Spuren, als uns ein Selbstmörder auf einer Rennmaschine mit gut 100 km/h überholt, Lücken auf allen drei Fahrspuren ausnutzend nach vorne prescht, als gäbe es kein Morgen! Unglaublich!
Dazu das Gewusel der Scooterfahrer, die überwiegend auf dem schmalen Steifen zwischen Leitplanke und der rechten Fahrspur in Höchstgeschwindigkeit und ohne Rücksicht auf Verlust rasen. Wir versuchen ebendies auch einmal mit weit geringerem Tempo und stellen fest, dass zwischen unseren Seitenkoffern und der Planke oft nur noch ein Blatt Papier passt. Also lassen wir das auch sein und ergeben uns dem Schicksal der späteren Ankunft.
Und in dieser Situation sind wir dann doch ganz froh über die niedrigen Temperaturen, die sich selbst hier in der Großstadt unter der 20 Grad Marke bewegen.

Nach gut zwei Stunden Verzögerung kommen wir endlich am Double Tree by Hilton in Kadiköy an, wo wir freundlich empfangen werden und zwei schöne Zimmer bekommen. Dazu gibt es eine kleine Überraschung zum Geburtstag von NC60.
*** Bilder und eine kurze Fortsetzung kommen noch ***