Von Istanbul nach Ayvalik
Am Morgen des Sonntag starten wir zu der Tour von Istanbul über Ayvalik nach Meteora, die uns insgesamt drei Tage beschäftigen wird. Wie schon in dem Beitrag zur Planung der Tour geschrieben^, wünscht sich unser NC50 nicht nur die Befahrung der Brücke in Istanbul, sondern auch, dass wir die Brücke über die Dardanellen überqueren. Das bedeutet, dass wir nach dem sehr guten Frühstück im Hilton Istanbul wieder auf die europäische Seite wechseln müssen.
Dieses Mal benutzen wir den Tunnel, dessen Eingang zu finden unsere Navigationsgeräte erst einmal vor nahezu unüberwindliche Probleme stellt. Obwohl ich noch kurz vor Antritt der Motorradtour Istanbul neu auf das Navi geladen habe, stimmen die Ansagen des Gerätes leider hinten und vorne nicht. Wir sollen rechts abbiegen – das ist aber eine Einbahnstraße; wir sollen uns links halten – das ist aber gesperrt – kurz: wir halten uns an die Wegweiser zum Eurasia Tünneli und finden die Zufahrt dann tatsächlich!
Gestern Abend äußerten wir noch die Hoffnung, dass es am heutigen Sonntag mit dem Verkehr auf den Hauptstraßen ganz sicher wesentlich besser aussieht. Doch weit gefehlt! Wir sind noch nicht richtig aus dem Tunnel heraus, schon stauen sich die Karren schon wieder! Nicht zu glauben! Gut, so schlimm wie gestern Abend ist es nicht, aber durchschnittlich kommen wir auf den ersten 40 Kilometern nur mit 25 Km/h vorwärts. Und so vergehen schon wieder zwei Stunden, bis wir aus der schon wieder glühend heißen Stadt heraus sind.
das nächste geplante Highlight ist dann die „1915 Çanakkale Bridge“, die wiederum den europäischen mit dem asiatischen Teil der Türkei verbindet. Die Çanakkale-1915-Brücke ist eine Autobahn-Hängebrücke in der Türkei. Gemessen an ihrer Spannweite von 2023 Metern ist sie die längste Hängebrücke der Welt. Sie überspannt in der Marmararegion die Dardanellen als wichtigster Bauabschnitt der neuen Kınalı-Tekirdağ-Çanakkale-Balıkesir-Autobahn. Jetzt wird auch die Landschaft langsam wieder etwas abwechslungsreicher und die Straße entsprechend kurviger.
In Ayvalik checken wir im Casa Solada Cunda ein. Das ist ein relativ großes Hotel mit mehreren Pools, welches als Besondrheit alle Mahlzeiten und ausgewählte Getränke im Preis bereits beinhaltet Doch obwohl wir es zwar nicht bei einem „Willkommen-Bierchen“ belassen, nutzen wir die Kostenfreiheit beim Trinken heute in keinster Weise aus. Schließlich wollen wir morgen schon in aller Frühe auf die Fähre nach Lesbos. Also schauen wir uns nach dem Abendessen noch die Sieben deutschen Tore an – ja gut, auch das eine Tor von Curaçao – und verschwinden hurtig in die Betten. Daher für heute: Guten Nacht!
Von Ayvalik nach Lesbos
Tatsächlich wachen wir so rechtzeitig auf, dass wir uns sogar noch rasch einen Kaffee eiverleiben können, bevor wir die zwei Kilometer zur Fähre fahren. Zum Glück sind wir wirklich zeitig vor Ort, denn es grenzt an ein Abenteuer, welche Schritte man durchlaufen muss, um die Türkei per Fähre wieder zu verlassen. Zuerst wird der Kofferinhalt der Mopeds geprüft und die Fahrzeuge quasi schon jenseits der gedachten Grenze abgestellt.
Zu Fuß zurück in der Türkei hat man dann hoffentlich alle nötigen Papiere für das Fahrzeug dabei, um in einem Büro am Hafen die Tickets für Moped und Fahrer zu bekommen. Anschließend reiht man sich wieder in die bereits auf eine beachtliche Zahl wartender Personen angewachsene Schlange vor der eigentlichen Grenzkontrolle ein. Nur durch Beobachtung finden wir heraus, dass man an einer kleinen Bude zusätzlich noch Hafengebühren und Steuern zahlen muss.
Nachdem auch dieser Schritt erledigt ist und die Uhr bereits auf Acht steht, wird man wie am Flughafen gescannt und denkt, jetzt sei endlich alles erledigt. Ja, Pustekuchen! Jetzt kommt die eigentliche Herzklopfen-Station: In einem weiteren Büro wird gecheckt, ob man in der Türkei irgendwelche Gebühren eventuell nicht bezahlt hat: Geschwindigkeitsübertretungen, Autobahn- oder Brückengebühren und so weiter. Doch wir kommen alle ier unbeschadet durch die Prüfung und dürfen endlich auf das Schiff fahren.
Die eineinhalb Stunden hinüber nach Lesbos vergehen wie im Flug bei spiegelglattem Meer und angenehm warmer Sonne. Nachdem der Kahn in Lesbos festgemacht hat und wir die Mopeds ins Freie gefahren haben, erwartet uns die nächste Überraschung. Man bittet uns, die Fahrzeuge abzustellen und uns in die Schlange zu Passkontrolle einzureihen. Und wieder werden Fahrzeugpapiere akribisch kontrolliert und wir freuen uns auf eine Rundfahrt über die Insel.
Halt, bevor das Tor zur europäischen Freiheit aufgeht, wird nochmal der Inhalt der Koffer überprüft. Und dabei stellt sich heraus, dass der NC60 vier Stangen Zigaretten im Gepäck hat. Wir sind der Meinung, dass zwei Stangen pro Person erlaubt seien. Die griechischen Beamten jedoch behaupten, dass ei einer Einreise aus der Türkei via Fähre nur zwei Päckchen mit genommen werden dürfen. Da hilft keine Diskussion und kein Doktor Google. Wieder vergehen eineinhalb Stunden und rund 80 Euro später dürfen wir endlich den Hafen verlassen.
Da die Insel sehr bergig ist, haben auch die Straße gerade für uns Mopedfahrer ihren besonderen Reiz. Darüber hinaus öffnet sich vor uns eine sehr fruchtbare und blühende Landschaft. Wir fahren unter anderem durch ein ganz enges Tal entlang eines kleinen Bächleins, welches an Schönheit seinesgleichen sucht: links und rechts stehen die Oleander in voller Blütenpracht in allen möglichen Farben, die Sonne fällt zauberhaft durch ein sattgrünes Blätterdach, die Straße schlängelt sich parallel zum Bach ins Tal hinab …
In Plomari gönnen wir uns dann eine Strandbar, nachdem wir uns aus den Motorradklamotten geschält und in die Badehosen gschlüpft sind. Alles um uns herum fühlt sich schon ziemlich genau nach Urlaub an! So muss das sein!
Die Fähre über Chios nach Piräus fährt planmäßig um 19 Uhr ab und so sind wir rechtzeitig am Hafen, dürfen auch sogleich das Schiff entern und unsere Kabine beziehen. Nach ein paar kleinen „wir-sind-angekommen-Bierchen“ laufen wir im À-la-carte-Restaurant des Schiffes ein und fürchten fast schon, dass hier geschlossen ist, denn man höre und staune: wir sind die einzigen Gäste weit und breit.
Der Vorteil dabei ist, dass wir von gleich drei sehr netten Kellnern extrem aufmerksam bedient werden. Der Malagouzia schmeckt ebenso wie das Essen erstaunlich gut und später verlassen wir immer noch als die einzigen Gäste das Restaurant, um uns nach einem erlebnisreichen Tag endlich zur Ruhe zu begeben. Daher für heute ein herzliches „Gute Nacht“
Von Piräus nach Meteora
Die heutige Etappe ist vor allem eines: sehr warm! Nach Verlassen des Schiffes fahren wir von Piräus in Richtung Elefsina, um von dort aus den Weg über die Berge zunächst Richtung Lamia und dann über Trikala nach Kalambaka bei den berühmten Klöstern von Meteora zu nehmen. Wiederum meiden wir die Autobahn, wie der Teufel das Weihwasser. Belohnt werden wir dafür mit ein paar herrlichen Streckenabschnitten, bis wir relativ zeitig, also am frühen Nachmittag in unserem Hotel ankommen und uns dort ziemlich übergangslos in den herrlich temperierten Pool zu stürzen und uns gründlich auszuruhen.
Nach einem ausgiebigen abendlichen Spaziergang durch Kalambaka kehren wir noch zum Abendessen ein und schauen uns anschließend die erste Halbzeit des WM-Spiels Frankreich gegen Senegal an. Die zweite Halbzeit ersparen wir uns zu Gunsten einer längeren Nachtruhe und begeben uns direkt in unsere Nachtlager; natürlich vergessen wir auch heute nicht, Euch allen eine Gute Nacht zu wünschen!
*** Bilder kommen noch nach ***
