Schloss Bran

Von Pitesti über Schloss Bran nach Bukarest

Was uns heute am meisten beeindruckt hat, war nicht etwa das Schloss von Graf Dracula, sondern vielmehr der Wettergott, der uns auf dem Weg vom Schloss Bran nach Bukarest einen Streich gespielt hat, den wir so noch nicht erlebt hatten. Nach dem nicht gerade außergeöhnlichen Frühstück im Ibis Styles Pitesti starten wir in Richtung Brașov. Die ersten Kilometer laufen ganz gut; dann aber folgt ein Dorf auf das nächste und die Schlange der Lastwagen und Autos will einfach nicht abreißen.

Und spätestens, als die Langeweile zu überwiegen droht, biegen wir ab auf die DN73; und ab da wird es richtig launig. Die Straße schraubt sich über unzählige Serpentinen hoch auf weit über 1000 Meter Meereshöhe und ist in einem unglaublich guten Zustand. So macht Mopedfahren richtig Spaß! An den verschiedenen Baustellen mit einer Regelung durch „Ampelmännchen“ pfuschen wir uns regelmäßig bis vor an die Ampel und vermeiden so nervige Überholvorgänge.

Landschaftlich ist Transsilvanien – was übrigens wörtlich übersetzt „Land jenseits des Waldes“ bedeutet und geographisch  mit dem heutigen Siebenbürgen übereinstimmt – eine extrem positive Überraschung. Ganz oben auf den Bergen blitzen immer wieder Schneefelder auf und ansonsten überwiegt die Farbe Grün in allen möglichen Schattierungen.

Kurz vor Brașov sehen wir es dann endlich hoch über der Straße vor uns auftauchen: das Schloss Bran oder die Törzburg auf deutsch. Aufgrund seiner Türme und der Lage auf einer Klippe gilt es weltweit als die Heimat von Graf Dracula. Historisch gesehener Stammsitz und die echte Festung des historischen Vlad III. (genannt Vlad der Pfähler oder Vlad Țepeș, die reale Vorlage für die Dracula-Figur) ist jedoch die weiter südlich gelegene Zitadelle von Poenari in den Karpaten. Dort wären wir gestern vorbeigekommen, wenn die Transfagarasan geöffnet gewesen wäre.

Und während noch von den Mopeds steigen, um wenigstens ein paar Bilder von der Burg zu schießen, die ansonsten wegen des großen Andrangs an Touristen nur mit vorab gebuchtem Zeitslot zu besichtigen ist, ploppt auf unseren Smartphones eine Katastrophenwarnung nach der anderen auf: Vor extremen Regenmengen versetzt mit Hagel, starkem Sturm, sowie heftigen Gewittern wird gewarnt!

Und obwohl der NC60 den Vorschlag macht, uns eine sichere Gaststätte oder ein Café zu suchen und das Extremwetter auszusitzen, vertrauen wir doch auf unser Glück und setzen die Fahrt wie geplant in Richtung Bukarest fort. Doch mitten in den Bergen, kurz nach Azuga auf der DN1 erwischt es uns dann doch mit voller Wucht. Gerade noch können wir uns in ein Wartehäuschen retten, als davor ein Gewitterregen losbricht, den wir so noch selten erlebt haben.

Nach einer guten halben Stunde ziehen wir uns dann doch die Regenklamotten über und wagen uns hinaus in die Hölle. Und was soll ich sagen? Irgendwie ist das schon auch ein wildes Abenteuer, wenn man durch Pfützen fährt, wo uns das Wasser fast bis an die Radnaben reicht; wenn sich von den Bergen kommenden Straßen in reißende Flüsse verwandeln, wenn selbst größere Autos vor Dir aufgeben und rechts ran fahren. Das ist schon ein besonderes Erlebnis!

Und dann, nachdem wir etwa 80 Kilometer vor Bukarest wieder in der Ebene angelangt sind, knallt die Sonne wieder mit aller Kraft herab, und wir reißen uns die warmen Regenklamotten wieder vom Leib. Gerade noch rechtzeitig, um in dem unfassbar dichten Verkehr in Bukarest nicht endgültig zu schmelzen! 

Wenn man ein Hotel in der Nähe zum Zentrum einer Stadt haben möchte, dann muss man leider auch damit rechnen, dass die Straßen, die in die Mitte des Ortes führen, nicht eben menschenleer sind. Und so quälen wir uns bei 36°C Außentemperatur Meter für Meter unserem Holiday Inn entgegen. Hier erwartet uns die gleiche Überraschung, wie schon gestern im IBIS Pitesti: man hat tatsächlich meiner schriftlichen Bitte um die Reservierung eines Parkplatzes in Sichtweite der Rezeption entsprochen! Genau so wie gestern stehen dicke Schilder mit der Aufschrift „reservierter Parkplatz“ auf „unserem“ Stellplatz, die gestern sogar der freundliche Herr von der Rezeption persönlich weggeräumt hat.

Heute nehmen wir die Erledigung dieser höchst anstrengenden Arbeit selbst in die Hand und parken unsere vier Mopeds dicht an dicht auf einem einzigen Stellplatz. So muss das sein, wenn die Nordkappen anrücken!

Das „wir-sind-angekommen-Bierchen“ nehmen wir direkt auf der Terrasse des Hotels zu uns, wo wir dann nach einer ausgiebigen Dusche wieder Platz nehmen, um zu Abend zu essen. Heute wird es nicht so lange, wie an manch anderen Tagen, und wir verabschieden uns schon gegen halb elf Uhr in unsere Betten, natürlich nicht, ohne Euch allen eine Gute Nacht zu wünschen!

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