Wir unternehmen eine Motorradtour durch die Karpaten! Wow, wie das schon klingt. Ähnlich wie: morgen machen wir eine kleine Wanderung auf den Mount Everest. Die Ähnlichkeit besteht zumindest einmal darin, dass auch der höchste Berg der Erde nicht während des ganzen Jahres bestiegen werden kann. Und so sind auch die beiden wesentlichen Pässe, die jeweils von Süd nach Nord oder von Norden nach Süden über die Karpaten verlaufen, nur wenige Monate im Jahr geöffnet.
Der Wirt unserer Pension in Novaci erklärt uns, der Transalpina sei offiziell geöffnet worden vor einer Woche. Diese Auskunft hatte ich vorher über das Internet ebenfalls bereits erhalten. Der Transfăgărășan jedoch sein offiziell noch geschlossen. Man könne aber hinauffahren und droben würde einen die Polizei schon durchlassen. Diese Ansicht wiederholt er uns gegenüber mehrfach; das gehe schon in Ordnung!

Nach dem reichhaltigen Frühstück, das uns fertig angerichtet jeweils auf einem eigenen Teller serviert wird, brechen wir also zu der Tour auf, die ich ausgearbeitet hatte, falls beide Pässe geöffnet sind. Wir freuen uns schon sehr auf die vielen Kurven, tanken noch einmal komplett voll und machen uns endlich auf den Weg zum ersten Höhepunkt des Tages.
Wobei das Wort Höhepunkt durchaus wörtlich zu verstehen ist. Denn höher als heute wird uns auf dieser Motorradtour wohl keine Straße hinauf führen. Der Scheitel vom Transfăgărășan liegt auf 2042 m und jener von der Transalpina immerhin auf 2145 m.
Wir starten also mit dem Transalpina und sind total begeistert! Teilweise sind die Kehren sehr eng, zum Teil kann man aber auch im dritten Gang um die Kurven schwingen. Und im Hintergrund wird die Landschaft von Höhenmeter zu Höhenmeter schöner. Nach Süden hin überblicken wir das Flachland bis sich die Konturen im Dunst verlieren. Nach Norden werden die Berge immer höher und die Hänge sind teilweise noch von Schnee bedeckt.
Endlich haben wir uns ganz nach oben geschraubt, die Temperaturen sind auf angenehme 18°C gefallen und „die Luft geht frisch und rein“ – um nur mal kurz das Frankenlied zu zitieren. An diesem Punkt muss natürlich fotografiert werden; eine andere Motorradgruppe fährt vorbei und es wird euphorisch gewinkt und gelacht. Zum Glück herrscht aber ansonsten noch lange nicht der starke Verkehr, der hier in ein paar Wochen abgehen wird, so hat man uns erzählt.
Abgesehen von einem großen Skiort sind die Berge relativ dünn besiedelt, und die Natur kann in ihrer ganzen Schönheit unbeeinträchtigt von den üblichen Zweckbauten glänzen. Wir folgen einem Wildbach nach Norden wieder den Berg hinunter. Auch auf dieser Seite sind die Straßen super ausgebaut und die Kurven nicht minder anregend!
Im Norden der Karpaten angekommen, gönnen wir uns einen Kaffee in einer kleinen Klitsche an der Straße. Hier gesellt sich ein einzelner Motorradfahrer aus Norddeutschland zu uns. Dem erzählen wir auf seine Nachfrage hin, dass wir als nächstes den Transfăgărășan unter die Räder nehmen werden. Das sollten wir lieber bleiben lassen, ist die sofortige Antwort. Er habe heute mehrere Leute getroffen, die auf der Passhöhe von der Polizei wieder zurückgeschickt worden seien.
Gut, dass wir diese Auskunft bekommen haben! So können wir noch rechtzeitig umdisponieren und von Hermannstadt – heute Sibiu – auf auf der E81 nach Süden in Richtung Pitesti fahren. Kurz nach Sibiu folgen wir dem Fluss Alt, der sich ein wunderschönes Tal gegraben hat, auf dessen rechter Seite die E81 verläuft.
An sich eine wirklich, zumindest landschaftlich schöne Straße. Aber die rumänischen Behörden sind aktuell dabei, die Autobahn A1 eben entlang dieses Tales zu bauen. Offenbar im Zuge dessen werden auch die hohen Felsen rechts der Landstraße gesichert. An diesen Stellen ist die Straße nur einspurig befahrbar und der Verkehr wird durch menschliche „Ampeln“ geregelt. Das sind mit Funkgerät und grün-roten Tafeln ausgerüstete Arbeiter, die nichts anderes zu tun haben, als dem Funk zu lauschen und bei Bedarf die Tafeln auf grün oder rot zu drehen.
Die Schlange der wartenden Autos steigt dann schon mal auf einen Kilometer Länge an und entsprechend lange ist dann auch die Wartezeit; unser Rekord steht bei fast einer halben Stunde! Na ja, letztlich ist das auch nur ein Vorgeschmack auf den dichten Verkehr in Pitesti. Doch am Ende quälen wir uns auch hier durch und erreichen endlich unser Hotel für diese Nacht, das IBIS Styles Pitesti.
Nach einem Spaziergang und einem relativ guten Abendessen in einem der zahlreichen Restaurants killen wir noch eine Flasche Ouzo in unserer Suite und freuen uns auf den morgigen Tag, wo wir planen, uns die bekannteste Burg in Transsilvanien, die Törzburg – heute Schloss Bran genannt – anzuschauen. Für heute aber heißt es nun: Gute Nacht!









Sauber!