Von der Toscana zum Jaufenpass

Von Monteriggioni zum Jaufenpass

Der Tagesablauf ist heute gerade umgekehrt wie gestern: heute beginnt die Tour planmäßig stinklangweilig, um gegen Ende sich in unendlichen Kurven zu ergehen. Daher wird der heutige Bericht auch relativ kurz ausfallen.

Von Monteriggioni bis Revereto Süd fahren wir nämlich ausschließlich Schnellstraßen und sogar mautpflichtige Autobahnen. Das ist, wie gesagt, einerseits stinklangweilig, andererseits kühlt der Fahrtwind dann auch die wieder bis zu 38 Grad hohen Temperaturen auf ein erträgliches Maß ab. Bereits in der Po-Ebene warnen die großen Schilderbrücken über der Fahrbahn vor Stau zwischen Affi und Klausen. Zwar werden wir den Highway bereits vor Trento verlassen, aber wenn der dicke Verkehr wirklich schon ab Affi beginnt …

Zum Glück wird es dann doch nicht so schlimm, wie aufgrund der vielen Warnungen zu befürchten war. Zwar müssen wir immer wieder bremsen, bleiben aber wenigstens nie vollkommen stehen. Bei Rovereto Süd verlassen wir endlich die Brennerautobahn und fahren über den Passo San Giovanni, dessen Scheitel bei immerhin 287m über NN liegt, Richtung Gardasee, biegen dann aber noch auf der Höhe nach rechts in Richtung Arco ab. Bis zu dieser Abzweigung ist der Verkehr stockend und viel zu dicht.

Ab Arco wird es dann wesentlich besser; zwar müssen wir immer wieder langsamere Fahrzeuge überholen, aber wenigstens kommen wir mit einer vernünftigen Geschwindigkeit voran. Wir legen am Molvenosee eine Pause ein, überqueren den Mendelpass und danach den Gampenpass, um dann wieder in den Glutofen nach Meran hinunter zu rollen.

Kurz hinter Meran gibt es in einer langgezogenen Kurve – in unserer Richtung eine Rechtskurve – ein kleines Café unter riesigen Bäumen, wo wir auch schon des öfteren eingekehrt sind. Die Eigentümerin ist extrem freundlich und bereitet einen vorzüglichen Capuccino zu, den wir uns gut schmecken lassen.

Von dort aus sind es nur noch rund 35 Kilometer durch das Passeier Tal bis St. Leonhard und von dort aus den Jaufenpass hinauf, bis in einer Kehre die winzige Straße zur Flecknerhütte abzweigt. Die ist zu Beginn noch aus Beton und ganz gut fahrbar, wird dann aber ab dem offiziellen Parkplatz zu einer recht ungepflegten und schmalen Schotterpiste mit zwei haarig engen Kehren.

Doch letztlich kommt die Hütte in Sicht, in der wir heute die Nacht verbringen werden. Dabei handelt es sich um die Flecknerhütte, die von Roland dem Hüttenwirt schon in der dritten Generation betrieben wird. Die Lage der Hütte ist insofern sensationell, als man auf der einen Seite einen ungehinderten Blick hinunter die weite Täler hat und auf der anderen Seite fast auf gleicher Höhe auf die grandiose Reihe der umliegenden Berggipfel schaut.

Die Hütte selbst ist vom Wirt in liebevoller Kleinarbeit zu einem perfekt funktionieren Kleinod ausgebaut worden, ohne dabei den Charakter einer urigen Berghütte zu beeinträchtigen. Sitzplätze gibt es entweder draußen auf der Terrasse, im Wintergarten oder eben in der Stube, die im Winter von einem echten Grundofen beheizt wird. Warum Winter: ganz einfach, weil man die Hütte in der Saison mit den Skiern direkt erreichen kann, sie somit im Skigebiet liegt und auch im Winter auch als Quartier gebucht werden kann.

Nach dem obligatorischen Bierchen auf 2050 m Meereshöhe, das hier oben ganz besonders gut schmeckt, bekommen wir ein vorzügliches Abendessen serviert. Nachdem jeder geduscht und umgezogen ist, gönnen wir uns noch eine Hopfenkaltschale auf der Terrasse und verschwinden dann in unsere Betten, nicht ohne Euch eine „Gute Nacht“ gewünscht zu haben.

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